Wirtz: Auf die Plätze, fertig, los! 06.09.2015 Docks Hamburg

Nach der „stilleren“ Unplugged- Tour 2014 und den Auftritten bei „Sing meinen Song“ auf VOX hat Daniel Wirtz sehr viel Zuwachs in seiner Fangemeinde verzeichnen können. So kam es dem Künstler nur recht, dass passend nach den beiden Ereignissen seine neue Platte „Auf die Plätze fertig los“ anstand. Mit dieser ging er dann auch auf Tour.

Unser Team von UnArt war natürlich am 06.09.2015 im Hamburger Docks dabei. Das Docks ist eine der kleineren Locations der Stadt. Sie umfasst dennoch stolze 1.250 Plätze, die auf zwei Ebenen verteilt sind. In der Mitte des Docks hängt eine Diskokugel, die durch Laserstrahlen witzige und schöne Effekte erzielen kann. Auch ein Segel hängt über dem Mischpult und Lichtingenieur und bietet dem Docks ein angenehmes Flair.

Wirtz
Wirtz

Als wir gegen 18:15 Uhr vor dem Docks ankamen, standen schon viele Fans vor den Türen und die Straße entlang. Pünktlich um 19 Uhr war dann der Einlass. Dieser ging recht zügig und schnell füllte sich der Innenraum, wo jeder seinen Platz bekam. Trotz des ausverkauften Konzerts hatte doch jeder Fan ausreichend Platz um Daniel und seiner Band zu bewundern. Einige wollten Daniel hingegen aus der Höhe bewundern, so dass diese Besucher auf der Empore Stellung bezogen. Überpünktlich um 19:58 Uhr starteten Milliarden, eine 5 Mann-Kombo aus Berlin, als Vorgruppe auf der Bühne. Sie spielen einen Mix aus Popmusik gepaart mit ein wenig Biss aus dem Deutschrocksektor, aber auch melodische Titel kommen vor. Sie verbinden die traurigen und kaputten Seiten dieser Welt mit den schönen Augenblicken ihres Lebens, wodurch die Songs eine Art Eigenleben entwickeln. So spielen diese Jungs, deren Texte auf deutsch sind, von Kokain und Himbeereis, Milliarden auf ihrem Konto oder aber auch darüber, dass die Freiheit eine Hure sei und fordern dazu auf, sich mehr mit dem Thema Refugees auseinander zu setzen. Das Wirtz-Publikum, welches diesmal sehr bunt gemischt war, nahm die Band aber zu 80% an und feierten und klatschen in einzelnen Parts kräftig mit. Selbst die zuerst kritischen Die-Hard Fans, die sogenannte „Zeugen-Crew“, hatte dann wohl doch sichtlich ihren Spaß, nachdem sie zuvor auf Facebook ihren Unmut über die Vorgruppe ausgelassen hatten. Vielleicht hat Hamburg aber auch nur Geschmack. Um 20:25 Uhr war dann schon wieder vorbei und ein schneller Umbau der Bühne passierte.

Wirtz
Wirtz

Nach einer 20-minütigen Umbaupause ging es dann mit Wirtz los. Hinter ihm standen vier LED-Elemente, die einzeln angestrahlt werden konnten. Das Intro des Songs „Auf die Plätze fertig los“ wurde durch ein Durchschalten der Radiosender simuliert. Daniel begrüßte sein Publikum im schwarzen „WIRtz“ – Shirt mit „Moin Hamburg“ und spielte dann den Song „Regentropfen“. Was es mit seinem Shirt auf sich hatte, wurde dann später am Abend erklärt. Die Stimmung im doch recht bunt gemischten Publikum war von Anfang an da. Neben der Zeugen-Crew in der ersten Reihe tummelten sich auch viele neue Fans, die Daniel durch „Sing meinen Song“ wohl das erste mal live auf der Bühne sahen. Doch die Texte schienen bei den meisten zu sitzen. Nach dem zweiten Song wurde es sehr laut im Docks. Fast alle sangen den Song „Siehst du mich“ von der „Erdling“-Platte und Daniel bedankte sich mitten im Lied mit einem „Hamburg das sieht gut aus!“ Häufig kamen auch mal die Laser von der Bühne zum Einsatz, welche die Diskokugel an der Decke anstrahlten und dadurch kleine Sterne im Saal verteilten. Es passte der nächste Song „Freitag“ ganz gut dazu und wurde im Refrain eigenständig von den Fans besungen. Beim Song „Wir“ wollte Daniel an all seine alten Fans, die seit seinen Anfangstagen bei Myspace und den Alben „Ne Weile her“ sowie „11 Zeugen“ dabei waren, danke sagen. Sein schwarzes „WIRtz“-Shirt sollte dieses extra noch zum Ausdruck bringen. Das WIR für die Verbundenheit und das „tz“ sollte eigentlich erst ein „TM“ werden für Trademark. Doch da die Band nun einmal Wirtz und nicht Wirtm heißt, bekam das Shirt eine Eigenkreation. Ein besonderes Highlight zu dem Song war ebenfalls das Tribal der Verbundenheit, welches auf den vier LED-Wänden zu sehen war. Ebenso die Livebilder auf den Leinwänden, die durch eine kleine Minikamera vor Daniels Füßen projiziert wurden waren. Der nächste Song „Frei“ war ein Song für alle, die in Freiheit leben und im Gedenken an die, die es nicht können, wie z.B. Flüchtlinge. Hier strahlten Tauben auf den LED-Wänden. Was sich Daniel bei dem nächsten Song gedacht hat, das wußte er laut eigenen Aussagen selbst nicht mehr. Denn „Ich weiß es nicht“ war der nachfolgende Song, in dem es um einen exzessiven Abend geht und ein Mann am nächsten Morgen den totalen Blackout hat, diesen aber seiner Frau erklären muss. Daniel hatte auch wieder lockere Sprüche am Abend parat. Nach dem Song „Aus Versehen“ sagte er: „Hamburg scheiße warm, kommste rein, 80 Grad und das im September“. Es folgte dann der älteste Song des Abend und Daniels erster Song als Solokünstler „Ne Weile her“. Mit „Viel Glück“ und „Sag es“, welche auf dem bequemen Hocker unplugged vorgetragen wurden, ging es dann weiter. Großer Beifall folgte, selbst von den oberen Rängen. Daraufhin gab es dann das Cover, welches auch bei „Sing meinen Song“ große Beliebtheit erlangt hatte und sich für die Tour unbedingt gewünscht wurde. Die Rede ist vom Pur-Titel „Wenn sie diesen Tango hört“. Hier wurde es sehr still im Saal, trotzdem die Fans leise mitsangen. An der Decke leuchteten viele kleine Glühbirnen im Dämmerlicht. Hier kamen Erinnerungen an die Bühnendeko der Unplugged Tour auf.

Wirtz
Wirtz

Der nächste Song „Scherben“ hatte zwei Parts. Erst einen ruhigen, wo Daniel erst auf dem Hocker ganz alleine auf der Bühne saß und spielte. Hier wurde es sehr melancholisch und die Geschichten der einzelnen Fans, die in ihren Gesichtern förmlich zu sehen waren, würden sicherlich einen ganzen Jahreskalender von Therapiestunden füllen. Im zweiten Part kam dann der Rest der Band hinzu und es wurde dann noch mal rockiger. Es folgte ein satter Übergang zu dem Song „Wenn du willst“, ein für mich persönlich sehr spaßiger Song. Hier dreht es sich darum seiner Angebeteten alles zu versprechen. Daniel würde sogar bei der Stiefmutter einziehen, heißt es dort. Doch Daniel wäre nicht Daniel, wenn er nicht die Ironie in seinen Songs spielen lassen würde. Denn weiter heißt es im Song „Nein, im Ernst, wenn Du willst – Geh ich zum Fußball in Birkenstock- Zünde Bengalos im Gästeblock -Ganz im Ernst, wenn du willst -Kaufen wir einen Gartenzwerg -Und jeden Tag gibt es ein Feuerwerk“. Hier war deutlich zu erkennen, dass Daniel eben doch Rockermensch bleibt. Nun aber wurde es Zeit zum Abrocken und Pogo tanzen. Dieses wurde nun erfüllt mit „L.M.A.A.“, „Wo ich steh“ und „Meinen Namen“. Zum Song „Anderer Stern“ sagte Daniel noch: „Früher hat einen vieles abgefucked und heute kann ich es nur noch müde belächeln!“ Danach zitierte er Oscar Wilde mit „Am Ende wird alles gut und wenn es nicht gut war, war es noch nicht das Ende“ und spielte seinen Song „Mantra“, der genau das widerspiegeln soll. Vor dem Lied „Das nächste Mal“ gab es wieder einen Brüller aus der ersten Reihe der Fans. Daniel nahm es mit Humor auf. Denn ein weiblicher Fan schrie „Penis“ in die Menge. Daniel meinte dazu: „Wah? Penis? Penis ist schön! Ich sah, dass es im Internet Unterschiede gibt, aber meiner ist schön“. Das Gelächter im Publikum blieb nicht aus. Durch dieses Lachen kam es dazu, dass Daniel sich im anschließenden Song verzettelte. Doch das ist eben live und macht ein Konzert aus.

Nun folgte eine kleine Verschnaufpause für die Band. Auf den Leinwänden Wurde WIRtz eingeblendet und nach kleinen Zugaben Rufen kam die Band zurück auf die Bühne. Es folgte „Keine Angst“ – ein Song, der wieder viele zur Tränen rührte. Hier wurde überwältigend laut im Chorus mitgesungen. Später dann einen Part ganz allein nur von den Fans. Es schien, als ob das Publikum nur auf diesen Song gewartet hat. Bei „Mon Amour“ wurde nochmal fleißig gepogt und Gitarrist Kaile zeigte sogar noch Herz als die Fans „Hamburger Jungs“ anstimmten. Sichtlich von dem Gesang noch gerührt passierte es, dass er sich dann auch an der Gitarre zum Song „Nada Brahma“ vergriff. Kurzes Sammeln und dann wurde fehlerfrei der letzte Song des Abends gespielt. Mit einer Verneigung, einem Abschlussfoto von der Bühne aus und einem kräftigen „Hamburg ihr habt gerockt“ auf der Leinwand ging ein sehr schönes Konzert gegen 22:50 zu Ende. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen!

Autor: Snab1986

Photos: Amylynn

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