X. E-Only Festival: 14.&15.02.2020 Leipzig – Tag 1

Am Valentinswochenende hatte das Team um Holger Troisch zum mittlerweile zehnten E-Only Festival nach Leipzig geladen. Traditionell ging die ganze Sause mit einer Warm-Up-Party los, die jedoch nicht im Stadtbad Leipzig stattfinden konnte. Also wurde die Party kurzerhand in den Club des Restaurants „Barfusz“ in der Innenstadt verlegt und wir machten uns auf den Weg, um für euch dabei zu sein.

Das Restaurant „Barfusz“ ist Teil der wohl berühmtesten Kneipenstraße der Leipziger City. Im Barfußgäßchen findet der Besucher alles, was das kulinarische Herz begehrt. Unter dem „Barfusz“ selbst befindet sich ein kleiner Club, in dem sonst Salsa- und Mambotanzkurse stattfinden oder das Cabaret zu Gast ist. Da es zwei Zugänge zu diesem Club gibt, sammelten sich sowohl im Restaurant, als auch in der Passage am Central-Cabaret die Partygäste des E-Only Festivals. Doch lange musste niemand warten, denn kurz nach 19 Uhr öffneten sich die Türen zum Untergeschoß des Restaurants und die Besucher strömten in den Club, in dem sich neben einer Bar und einem DJ-Pult auch eine kleine Bühne befand. Dass die Atmosphäre der Location etwas unterkühlt wirkte, störte dabei niemanden. Alle waren gespannt auf den Abend und vor allem die anstehenden Konzerte.

Gertrud Stein

Mehr oder weniger pünktlich stand dann Gertrud Stein auf der Minibühne und wurde aufmerksam von den Anwesenden gemustert. Die gebürtige Schweizerin bestritt ihren Auftritt allein, unterstützt wurde sie einzig von ihrem Mischpult und ihrer projizierten Virtual Video Band. Der Minimalsound und die teilweise schlecht zu verstehenden Texte kamen beim Publikum gut an, denn schnell fingen die ersten an, im Takt mitzuwippen. Die Künstlerin bekam auch Beifall, der jedoch zunächst etwas verhalten ausfiel. Doch das änderte sich im Verlauf des kurzen Sets recht schnell und Gertrud Stein nahm das Publikum mit auf einen Ausflug in ihre musikalische Welt. Den meisten Besuchern der Party, zumindest denen, die direkt vor der Bühne standen, gefiel der Auftritt auch soweit gut. Diejenigen, die das Pech hatten, am Rand des Clubs zu stehen, hatten leider auf Grund der doch eigenwilligen Akustik und der Aufteilung des Raums leider weder gute Sicht, noch kam die Musik in den Ecken an. Ein Wermutstropfen in einem sonst soliden Openerauftritt, der jedoch nicht der Künstlerin geschuldet war.

Rue Oberkampf

Geschwind wurde danach umgebaut, um der nächsten Band ihren Raum zu geben. Rue Oberkampf aus Deutschland standen auf dem Plan und diese Formation wurde uns bereits im Vorfeld empfohlen. Das Trio, bestehend aus Sängerin Julia und ihren Musikern Michael und Damien, setzt auf EBM mit teils französischen Lyrics und hat uns vom ersten Moment an mitgerissen. Die tanzbaren Beats und Julias Gesang verleiteten nicht nur uns zum Tanzen, sondern auch den Großteil der Gäste. Da war es dann auch egal, dass es im Kellergeschoss immer stickiger und wärmer wurde. Die Band hatte sichtlich Spaß am ihrem Set und das übertrug sich auf das Publikum, welches Rue Oberkampf ausgiebig Beifall spendete. Überall waren wippende Köpfe und/oder Füße zu sehen, es wurde mitgesungen und die Fanbase der Formation wurde sicherlich um einiges größer an diesem Abend. Mittlerweile war der Club wirklich voll und es gestaltete sich erneut schwierig, die Bühne im Blick zu behalten. Das tat der allgemeinen Stimmung aber keinen Abbruch und so wurde mit Rue Oberkampf eine schicke Party gefeiert. Wir hatten viel Spaß und wer an diesem Abend nicht dabei war, sollte unbedingt die Livetermine des Trios im Auge behalten und ihnen einen Besuch abstatten. Im „Barfusz“ haben die drei jedenfalls einen sehr guten Job gemacht!

Ash Code

Wieder wurde hektisch umgebaut, damit es im Konzertreigen weitergehen konnte. In der Zwischenzeit schnappten wir kurz vor dem Club nach frischer Luft, die im Untergeschoss langsam, aber sicher Mangelware wurde. Zum Glück war die Bühnencrew ein eingespieltes Team und so konnten Ash Code aus Italien ihren Auftritt beginnen. Im Publikum waren viele Bandshirts zu sehen, die die Anwesenden als Ash Code-Fans outeten. Die Brüder Alessandro und Adriano Belluccio standen schon mit ihrer Sängerin Claudia Nottebella bereit und legten auch direkt los. Das Trio aus Neapel nennt seinen Stil selbst „Electrowave“ und anders würden auch wir die Musik nicht einordnen wollen. Mit Drumcomputer, Gitarre und Gesang beschworen die drei den Sound der frühen 80er und ließen sich dabei von den Fans anfeuern. Das Publikum war eine wogende, tanzende Menge und die Bandmitglieder wechselten auf der Minibühne immer wieder die Plätze, um ein wenig Bewegung in die ganze Show zu bringen. Selbstverständlich wurde auf das kommende neue Album und die dazugehörige Single „1981“ hingewiesen, die am 28.02.2020 erschienen ist. Uns wurde es mit der Zeit allerdings zu warm und zu stickig im Club, so dass wir erneut nach oben an die frische Luft flüchteten, während im Keller ausgelassen weiter gefeiert wurde. Die Aufforderung aus dem E-Only-Programmheft, das Tanzbein zu schwingen, nahmen viele der Gäste sehr ernst und so wurde der Auftritt von Ash Code mit viel Applaus und schwitzenden Fans belohnt – was in diesem Fall eindeutig für die Band spricht, die nach gut 45 Minuten die Bühne wieder räumen musste. Und zusammen mit der Band verschwanden auch diverse Fans aus dem Club, wie wir feststellen mussten.

In der Umbaupause zum letzten Gig des Abends spielte, wie schon vorher, Musik vom DJ-Pult. Dieses Mal jedoch legte Schallplattenunterhalter Schubi den Titel „Photographic“ von Depeche Mode auf und die Gäste, die auf die nächste Band warteten, begannen lautstark mitzusingen. Ein toller Festivalmoment!

Agent Side Grinder

So konnte es gut gelaunt weiter gehen im Programm und das ließen sich Agent Side Grinder nicht zweimal sagen. Der quasi-Headliner der Warm-Up-Party zog noch einmal alle noch anwesenden Besucher in den Club vor die Bühne. Für uns war dieser Auftritt Premiere, denn wir hatten die Band vorher noch niemals live gesehen. Wir können also auch keinen Vergleich zur ehemaligen Besetzung ziehen. Im Bühnenhintergrund fiel uns zunächst das leuchtende Kreuz auf, das die Formation als Logo benutzt. Mehr gab es aber auch nicht zu sehen, da Sänger Emanuel Åström die Szenerie beherrschte. Ganz auf Tuchfühlung zu den Fans sang er sich die Seele aus dem Leib, wobei er leider nicht immer gut zu verstehen war. Die Besucher stompten, tanzten, sangen und klatschten, was das Zeug hielt – und alle hatten Spaß dabei. Wenn es nicht schon so warm gewesen wäre, spätestens an dieser Stelle  hatte die Party den Zusatz „Warm-Up“ redlich verdient. Auch wir konnten uns den Beats nicht entziehen und wippten noch ein wenig mit, bevor wir uns von der Location verabschiedeten und die Partygäste sich und der Musik überließen.

Alles in allem war dieser Abend ein gelungener Einstieg in das E-Only-Festivalwochenende. Trotz des Locationwechsels hatten die Besucher ihren Spaß, der Club war fast zu klein für alle Gäste und wurde auch noch für ausgiebiges Tanzen zur Aftershow genutzt. Vielen Dank an die Mitarbeiter des Clubs, die diese Party beherbergten und ein guter Gastgeber waren. Wir schlenderten derweil in unsere Unterkunft am Hauptbahnhof und tankten ein wenig Energie für den folgenden Tag im Stadtbad.

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Autor: Pitchfairy
Photos: Michi
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