X. E-Only Festival: 14.&15.02.2020 Leipzig – Tag 2

Nach einem Stadtbummel inklusive leckerem Mittagessen fanden wir uns pünktlich um 15 Uhr am Stadtbad ein, wo der Einlass mit kurzer Verzögerung begann. Im Foyer des Stadtbads warteten die Besucher dann auch geduldig, bis der große Saal freigegeben wurde.

Any Second

Zunächst war das Publikum noch eher spärlich, so dass die erste Band auf der Hauptbühne nur auf einen halbvollen Saal blicken konnte. Das machte Any Second aber mal so gar nichts aus und es ging mit Harsh-Electro gleich in die Vollen, wenn auch nicht ganz pünktlich. Sänger Jan begrüßte gut gelaunt das Publikum und forderte alle zum Tanzen auf. Leider war sein Mikrofon nicht immer ganz kooperativ, was er grinsend zur Kenntnis nahm und sich das Mikro seines Bandkollegen borgte. Musikalisch erinnerte uns das Ganze an Agonoize, gemixt mit den martialischen Gesichtsbemalungen und feschen Frisuren. Aber Spaß hat uns der Auftritt allemal gemacht, denn das Trio hatte die Besucher super im Griff und die Fanbase der Any Second Ultras sorgte für Stimmung im Saal. Überall sahen wir tanzende Menschen, die sich von den Beats tragen ließen. Es wurde viel geklatscht und mitgesungen, so dass der Opener des Abends zu Recht behaupten kann, die Leute aufgewärmt zu haben. Danke dafür!

NZ

Da die erste Formation schon ein wenig Verspätung hatte, konnten auch NZ als zweite Band des Abends nicht ganz pünktlich anfangen. Das tat aber der Stimmung kaum Abbruch, so dass das Duo auf tanzwilliges Publikum und vorfreudige Gesichter traf. Mit fetten EBM-Beats im Gepäck stompten Daniel und Jürgen zusammen mit den Zuschauern um die Wette. Schon cool, wie zwei Leute mit minimalistischer Bühnendekoration die Besucher so im Griff haben können! Es wurde mitgesungen, viel Applaus gespendet und der Saal zum Erzittern gebracht. Auch im Foyer des Stadtbades wurde kräftig mitgenickt, wenn auch die Musik dort nicht so gut zu verstehen war.

Wülf7

Derweil liefen im hinteren Teil des Foyers die Vorbereitungen für die EBM-Stage, auf der gegen 17.30 Uhr mit Wülf7 die erste Band auf der Minibühne erschien. Auch der kleine „Saal“ des E-Only hatte seine Fans und so sorgte die Band aus Belgien dort ebenso für gute Laune und viele Tänzer. Wir schauten dem Treiben eine Weile zu und begaben uns dann wieder in den großen Saal.

Empathy Test

Nach NZ und einer relativ kurzen Umbaupause betraten Empathy Test die Bühne und wurden mit viel Beifall begrüßt. Die Londoner waren an diesem Abend nur zu dritt und mussten auf Chrisy Lopez verzichten. Sänger Isaac Howlett begrüßte das Publikum knapp und dann erschallte bereits „Holy Rivers“, was von den Besuchern des Festivals wohlwollend aufgenommen wurde. Mit fluffigem Electropop führten Empathy Test durch das Set und spielten sich einmal quer durch ihr Repertoire. Oft waren die Hände im Publikum oben und die Fans taten es Isaac gleich, der mit ebenso erhobenen Händen am Bühnenrand stand und mit geschlossenen Augen sang. Alles in allem ein solider Auftritt, der von alten und neuen Fans gefeiert wurde.

Wir schnappten derweil ein wenig Luft und versorgten uns mit Kaffee, denn der Abend sollte noch lang werden. Vom Foyer aus konnten wir den tosenden Beifall für Empathy Test hören und bekamen auch ein bisschen von True Zebra mit, die gerade auf der EBM-Stage spielten. Leider war zu diesem Zeitpunkt schon kaum noch Platz vor der kleinen Bühne und so beließen wir es beim Zuhören.

Aesthetic Perfection

Es folgten Aesthetic Perfection auf der Mainstage und das wollten wir nicht verpassen. Frontmann Daniel Graves erschien mit Hut und weißem Jackett  – fast wie ein sehr eleganter Joker – und legte direkt los. Am Schlagzeug hatte Joe Letz Platz genommen und drosch wie verrückt auf die Drums ein. Das Publikum schien förmlich zu explodieren und bereits jetzt war zu bemerken, dass dieser Auftritt einem Abriss gleichkommen würde. Mit viel Energie, die die Musiker an die Festivalbesucher weitergaben, tanzten sich Gäste und Band durch den Auftritt. Auch wir konnten uns dem nicht entziehen und wippten im Takt mit, während um uns herum viele Tänzer und glückliche Gesichter zu sehen waren. Gern hätte die Redakteurin mitgetanzt, aber ihr kaputtes Knie ließ das nicht zu, so dass sie sich das Spektakel dann von einem mühsam erkämpften Sitzplatz aus anschaute. Abschließend bleibt zu sagen, dass dieser Gig tatsächlich eines der Festivalhighlights für uns war. Chapeau, Mr. Graves!

Henric de la Cour

Viel Zeit zum Luftholen blieb den Fans allerdings nach dieser Sause nicht, denn Henric de la Cour stand schon in den Startlöchern. Wir hatten den Schweden schon eine Weile nicht live gesehen, umso gespannter waren wir auf das Konzert. Gewohnt unaufgeregt betrat die Band die Bühne und wir fanden uns in einem Meer aus Electro-Shoegaze-Pop wieder. Das Publikum ließ sich mitnehmen und wiegte sich im Takt der Musik. Die kurzen Pausen zwischen den Liedern waren ausgefüllt mit Beifall und Jubel, was die Band und den Frontmann sichtlich freute. Alle hatten viel Spaß an dem Konzert, besonders als Henric einen neuen Track ankündigte.

Wir hatten uns wieder einen Sitzplatz am Rand gesucht und verfolgten den Auftritt noch ein wenig, bevor wir einen kurzen Abstecher vor das Stadtbad machten, wo sich die Massen an dem (leider) einzigen Cateringstand sammelten. Die beiden Männer im Stand hatten alle Hände voll zu tun, die hungrigen Gäste mit Bratwürsten, Pommes oder Burgern zu versorgen, kamen aber kaum nach. Zum Glück hatten wir gut zu Mittag gegessen, so dass unser Hunger nicht ganz so groß war und wir es bei Kaffee beließen.

S.P.O.C.K

Auf dem Weg zurück in den großen Saal spürten wir auf einmal den Boden des Stadtbades erzittern. Irgendein Witzbold meinte, es höre sich an wie in dem ersten Herr der Ringe-Film, als es hieß „Trommeln aus der Tiefe – die Orks!“. Dabei waren es bloß Pouppèe Fabrikk, die ihren Auftritt auf der EBM-Stage eröffneten und vor einem rappelvollen kleinen Saal diesen Teil des Stadtbades abrissen. Diese Klänge begleiteten uns noch vor die Mainstage – ja, auch dort hat der Boden gebebt -, wo wir  auf S.P.O.C.K. warteten. Die Kultband aus Schweden nahm uns mit ins Star Trek-Universum und gab alle ihre Hits zum Besten. Besonders charmant waren die deutschen Ansagen von Frontmann Alexander, der uns erklärte, dass ihr allererster Deutschlandauftritt in „Leipzsch“ stattfand. Grandios! Mit E.T., Dr. McCoy, den Tribbles und vielen anderen Außerirdischen tanzte das brechend volle Stadtbad zur Musik der Schweden und bejubelte die kurzen Comedyeinlagen des Sängers. So ein S.P.O.C.K.-Konzert ist immer ein Erlebnis und wir haben das sehr genossen!

Suicide Commando

Nach diesem Ausflug in die Galaxis stand nur noch eine Formation auf der Agenda und genau wie wir warteten die Besucher nun auf Suicide Commando, die den Abend beschließen sollten. Ein gut gelaunter Johan van Roy stürmte die Bühne und badete im Applaus der Fans. Immer wieder stand er ganz vorn am Bühnenrand und versuchte, die Hände der Besucher in der ersten Reihe zu erreichen, während er sang. Die Massen tanzten und wiegten sich im Takt, so dass es von hinten aussah wie Wellen im Meer. Spätestens bei „God is in the rain“ hatte Johan dann auch den letzten Besucher im Saal fest in der Hand und die Redakteurin beneidete den Belgier um seine Knieorthese, dann hätte sie nämlich auch ausgelassen tanzen können. So blieb uns nur das Zuhören und Kopfnicken, bevor wir uns nach einer ausgiebigen Verabschiedungsrunde langsam auf den Heimweg machten und das Stadtbad dem feiernden Partyvolk überließen. Zwei Tage Festival und eine Sightseeing-Tour zu Fuß durch Leipzigs Innenstadt steckten uns in den Knochen und wir hörten unser Bettchen rufen.

Fazit unseres ersten E-Only-Festival (sonst waren nämlich immer die Kollegen zu Gast gewesen): das war großartig! Sowohl die Warm Up-Party im Barfusz-Club, als auch das eigentliche Festival im Stadtbad haben uns großen Spaß gemacht. Die Bands waren fast durchgängig toll, die Licht- und Tonmannschaft hat einen grandiosen Job gemacht und wir haben gemerkt, dass im gesamten Team mit ganz viel Herzblut an der Umsetzung gearbeitet wurde. Danke dafür – wir kommen gern wieder!

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Autor: Pitchfairy
Photos: Michi
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